Jüngst wurde ein weitreichender Umbau der Caritas-Geschäftsstelle Boppard abgeschlossen. Das allein wäre - obgleich die Baumaßnahmen wichtige Modernisierung bedeuten - wohl keine Meldung. Aber: Mit den räumlichen Veränderungen in der Marienberger Straße 1 schaffte der Caritasverband Gegebenheiten, unter denen er seine kreisweiten Jugendhilfe-Angebote erweitern kann.
Im Rhein-Hunsrück-Kreis engagiert der örtliche Caritasverband sich seit langem mit diversen Angeboten in der Jugendhilfe. Gebündelt und koordiniert werden sie in der "Kompetenzstelle Familie". Bis zum jetzigen Umzug nach Boppard war diese in Emmelshausen ansässig.
Ohnehin war es unter dem Dach der Emmelshausener Caritas-Sozialstation für die stetig wachsende "Kompetenzstelle" recht eng geworden. Zudem erfuhr der Jugendhilfe-Bereich zuletzt immer stärkeren Zuwachs - was perspektivisch wohl so bleiben wird.
Caritasdirektor Dr. Jens Werner mit Dienststellenleiterin Ilona Besha (2. von links) und der Leiterin der „Kompetenzstelle Familie“, Lucia Stahl (rechts), gemeinsam mit Mitarbeiterinnen aus Bereich Jugendhilfe.Thomas Elsen/Caritasverband
"Das wirklich Erschreckende in diesem Arbeitsfeld ist, dass wir geradezu explodierende Mehrbedarfe in den vergangenen Jahren erlebt haben", sagt Dr. Jens Werner. Vereinzelung, Vereinsamung, die Abnahme von Gruppen-Kontakten - all dies seien keineswegs "Superschlagworte", die sich eine "diffuse Sozialwirtschaft" ausgedacht habe. "Im Gegenteil: Es sind gravierende gesellschaftliche Entwicklungen, die längst auch im ländlichen Raum real sind", betont der hiesige Caritasdirektor.
Nicht anders sieht das Ilona Besha, Dienststellenleiterin im Rhein-Hunsrück-Kreis: "Unsere ‚Kompetenzstelle Familie‘, aber auch die Kräfte in den Beratungsdiensten erleben seit Jahren, wie sich die Lebenswirklichkeit von Kindern und Heranwachsenden rapide verändert." Immer häufiger brauche es professionelle Orientierungshilfe, sprich: Jugendhilfe-Maßnahmen.
Deren Spektrum ist im achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII - Kinder- und Jugendhilfe) bundesrechtlich festgeschrieben. Als Träger der freien Jugendhilfe erbringt der Caritasverband Rhein-Hunsrück-Nahe e.V. in seinem Einzugsgebiet einen Großteil der dort vorgesehenen ambulanten Leistungen, jeweils mit unterschiedlichen regionalen Schwerpunkten.
"Unser Portfolio im Rhein-Hunsrück-Kreis hier umfänglich zu beschreiben, würde wohl den Rahmen sprengen", erklärt Lucia Stahl, die die "Kompetenzstelle Familie" leitet; deshalb greift sie zwei aktuell besonders wachsende Bereiche heraus: Erziehungsbeistandschaft und Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH).
Ein Erziehungsbeistand unterstützt Kinder- und Jugendliche beim Bewältigen von Entwicklungsproblemen, wie Stahl im Rückgriff aufs SGB VIII ausführt: "Unter Erhaltung des Lebensbezugs zur Familie soll die Verselbständigung gefördert werden."
Sozialpädagogische Familienhilfe wiederum leistet ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ durch intensive Betreuung und Begleitung unter anderem in Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen oder der Lösung von Konflikten und Krisen.
SPFH und Erziehungsbeistandschaft haben - wie die meisten Jugendhilfe-Angebote des Caritasverbandes - aufsuchenden Charakter und finden im ganzen Landkreis statt. Dennoch sind die neugestalteten Räume in Boppard keine bloßen Büros - auch in der Arbeit mit Klientinnen und Klienten bieten sie ein "Mehr" an Möglichkeiten. So existiert neuerdings für begleiteten Umgang ein Zimmer mit passender Ausstattung für Kinder und Jugendliche.
Noch etwas schätzen Ilona Besha und Lucia Stahl sehr: Der Umzug nach Boppard hat eine räumliche Nähe zu den Beratungsdiensten gebracht, die zahlreichen Familien zugutekommt: "Dass wir nun ‚Tür an Tür‘ sitzen, erleichtert die Zusammenarbeit und erleichtert Ratsuchenden den Zugang zu weiterer Hilfe", betont Stahl.
Mehr zur Caritas-Arbeit im Kreisgebiet auf www.caritas-rhn.de.