In der Caritas-Geschäftsstelle Idar-Oberstein trifft sich immer am zweiten Mittwoch des Monats von 18 bis 19:30 Uhr eine Gruppe für Angehörige psychisch kranker Menschen. Vorrangig geht es um Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung. Caritas-Mitarbeiterin Patricia Castelo Branco, die die Gruppe begleitet, sorgt immer wieder für thematischen Input.
Gerne greift die Erziehungswissenschaftlerin dabei Anregungen der Teilnehmenden auf. So auch, als sie jüngst den Rhauner Apotheker Johannes Jaenicke zu einem Gruppentreffen einlud. Auf einhelligen Wunsch referierte er über "Die vier häufigsten Fehler bei der Medikamenten-Einnahme".
Fachlich fundiert und zugleich sehr nachvollziehbar erklärte Jaenicke, wie sich das Risiko von Verwechslung oder versehentlicher Doppel-Einnahme verringern lässt oder weshalb ein falscher Einnahme-Zeitpunkt die Wirksamkeit eines Medikaments beeinträchtigen kann. Als er über Arzneien sprach, die sich nicht miteinander vertragen, führte der Pharmazeut gar ein kleines chemisches Experiment vor!
Caritas-Mitarbeiterin Patricia Castelo Branco und Apotheker Johannes Jaenicke freuen sich über die gute Resonanz zum Vortrag.Thomas Elsen, Caritas
Ausführlich widmete Jaenicke sich der Problematik, dass Medikamente oftmals nicht in der erforderlichen Regelmäßigkeit eingenommen werden. Unter anderem ging er auf die Langzeitwirkung ein, die bei bestimmten Medikamenten nicht zu unterschätzen ist - und doch allzu leicht verkannt wird!
Immer wieder nahm er die Situation der Gruppenmitglieder in den Blick und besprach Besonderheiten etwa bei der Einnahme von Antidepressiva. Ausdrücklich würdigte er die so wichtige wie herausfordernde Rolle Angehöriger, die "den Erkrankten engmaschig begleiten müssen, damit Medikamente korrekt eingenommen werden."
Hier nannte Johannes Jaenicke Unterstützungsangebote wie die Medikamenten-Analyse durch einen Apotheker. Was längst nicht alle wussten: Diese ist eine Kassenleistung, sofern der Patient mehr als fünf verschreibungspflichtige Medikamente einnimmt.
Wie sehr der Apotheker aus dem "Siebentälerdorf" Rhaunen seinen Beruf als Beratungsaufgabe versteht, zeigte auch die Interaktion mit den Zuhörern: Während der etwa eineinhalbstündigen Ausführungen band er die Anwesenden aktiv ein. Vor allem aber ließ er jederzeit Raum für individuelle Fragen.
Nach alledem durfte durchaus ein wenig "Eigenwerbung" sein, und Jaenicke stellte sein Unternehmen vor: Die "Adler Apotheke", die er in dritter Generation führt, ist - Zitat - "ursprünglich eine kleine Landapotheke, die sich neu erfunden hat".
Heute beschäftigt die Adler Apotheke ein Team mit unterschiedlichsten Professionen, darunter fünf Apothekerinnen und Apotheker, und sie verfügt über eine eigene Produktionsabteilung. Nicht ohne Stolz berichtete Johannes Jaenicke, wie dort Medikamente "verblistert" - also individuell vorsortiert und abgepackt - werden, um sie dann an Kunden auch weit außerhalb des Landkreises Birkenfeld zu versenden.
Die Angehörigen psychisch kranker Menschen treffen sich wieder am Mittwoch, 12. August. Neue Teilnehmer sind herzlich willkommen! Interessierte bekommen nähere Infos im Vorgespräch mit Patricia Castelo Branco (Caritas Idar-Oberstein, Telefon: 06781/50 99 0-16; E-Mail: P.CasteloBranco@caritas-rhn.de).