Seit 50 Jahren berät die Caritas in Idar-Oberstein Suchtkranke und deren Angehörige. Als das Angebot 1976 ins Leben gerufen wurde, ging es nicht "nur" um Suchtberatung: Dem damaligen landesweiten Verständnis von Suchtkrankenhilfe entsprechend, firmierte die Suchtberatungsstelle in der Edelsteinstadt von Beginn an als "Psychosozialer Dienst" (PSD). Der Begriff verschwand vor rund zehn Jahren; der fachliche Anspruch blieb - und ist heute mehr denn je ein Sinnbild für Arbeitsweise und aktuelle Entwicklungen im Caritasverband Rhein-Hunsrück-Nahe e.V.
Caritasdirektor Dr. Jens Werner (links) und Dienststellenleiter Harald Pillny in der Geschäftsstelle Idar-Oberstein, „Keimzelle“ der verbandlichen Eingliederungshilfe – und damit des künftigen „Förderzentrums Rhein-Hunsrück-Nahe“.Thomas Elsen, Caritasverband
Die Namensgebung "Psychosozialer Dienst" beruhte auf einer bis heute unbestrittenen Erkenntnis der sozialen Arbeit: Den Fokus auf die Symptombekämpfung alleine zu legen, greift zu kurz. Vielmehr muss es in der Beratung und Behandlung von Suchterkrankungen darum gehen, den gesamten Menschen und sein soziales Umfeld einzubeziehen.
Angehörigenarbeit - ob in Einzel- bzw. Paar-Gesprächen oder in Gruppen - ist deshalb seit jeher eine feste Größe in der Suchthilfe des Caritasverbandes Rhein-Hunsrück-Nahe e.V. Zudem entwickelte sich im Kreis Birkenfeld aus der Suchtkrankenhilfe schon in deren Anfangszeiten die Arbeit mit psychisch kranken Menschen - ein zusätzlicher Schwerpunkt, der fortan den PSD der Caritas vor Ort prägte.
"Als unser Caritasverband um 2015 herum die seit dem 1. Februar 1976 geläufige Bezeichnung ‚Psychosozialer Dienst‘ aufgab, waren längst zwei starke Fachdienste etabliert: die Suchthilfe mit Beratungs- und Gruppenangeboten sowie der Prävention und die Eingliederungshilfe in Form von Betreuungsangeboten - insbesondere in verschiedenen Wohnformen - für Menschen mit psychischer Erkrankung oder Behinderung", schildert Harald Pillny, Dienststellenleiter in Idar-Oberstein und seit 33 Jahren als Suchtberater tätig. "Was blieb, war das enge Miteinander beider Dienste."
Im Caritasverband mit seinen Haupt-Standorten in Bad Kreuznach, Boppard, Simmern und eben in der Edelsteinstadt war die Eingliederungshilfe lange ein "Obersteiner Alleinstellungsmerkmal". Aktuell wird sie indes ein Kernbereich des Gesamtverbandes.
Dazu Caritasdirektor Dr. Jens Werner: "In den letzten Jahren erleben wir, dass sich gesellschaftliche Probleme wie Vereinzelung oder Vereinsamung massiv verschärfen. Einerseits erschwert das psychisch beeinträchtigten Menschen die soziale Teilhabe zusätzlich; anderseits nehmen psychische Erkrankungen stetig zu. Angesichts dieser ‚Spirale‘ sind wir als katholischer Sozialverband geradezu gefordert, ein Hilfsangebot wie die Eingliederungshilfe weiter in die Fläche zu tragen."
Das erweiterte Einzugsgebiet kommt im neuen Namen zum Ausdruck: Die Angebote der Eingliederungshilfe werden als "Förderzentrum Rhein-Hunsrück-Nahe" des Caritasverbandes zusammengefasst, wobei die örtliche Präsenz ungeschmälert erhalten bleibt. "Indem wir nicht mehr in der Kategorie ‚Geschäftsstellenbereich‘ denken, können wir etwa bei hohem Fall-Aufkommen flexibler reagieren", sagt Jens Werner. "Das kommt Ratsuchenden nicht nur in den Randgebieten der drei Landkreise zugute."
Das künftige Zusammenspiel von Förderzentrum und Suchthilfe ist seit den PSD-Anfängen erprobt: "Ein Suchtberater kann etwa hinzugezogen werden, wenn bei einem psychisch beeinträchtigten Klienten auch eine Abhängigkeits-Problematik vorliegt", erklärt Harald Pillny. Dazu rücken die vier verbandlichen Suchtberatungsstellen noch enger zusammen und bilden die "Psychosozialen Dienste Rhein-Hunsrück-Nahe".
"In gleicher Weise bündeln wir andere Angebote unseres Verbandes und stärken weiter die interne Kooperation und Vernetzung", ergänzt Jens Werner. "So sind beispielsweise Schwangerschaftsberatung und Familienhilfe in unserem - ebenfalls aufs komplette Verbandsgebiet ausgerichteten - ‚Kinder- und Jugendhilfezentrum‘ angedockt."