Während der alle zwei Jahre stattfindenden bundesweiten "Aktionswoche Alkohol" (die sich diesmal sogar auf die Zeit vom 13. bis zum 21. Juni erstreckte), setzte auch die Bad Kreuznacher Suchthilfe des Caritasverbandes ein Zeichen gegen unkritischen Umgang mit Alkohol. Mit einem Info-Stand am Salinenbrunnen suchten pädagogische Fachkräfte das direkte Gespräch mit Passanten.
Rund 50 Interessierten boten sie - neben umfassendem Informationsmaterial - die Teilnahme an einer kleinen Abstimmung zu zwei zentralen Fragen an: Ist "Alkohol in Deutschland zu billig?" und "Sollte Alkoholkonsum in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt sein?"
Zu jeder Frage gaben rund 35 Menschen ihr Votum ab - wobei jeweils knapp zwei Drittel eine Verteuerung von Alkohol bzw. die höhere Altersgrenze befürworteten. Die Beraterinnen und Berater um Fachdienstleiter Frank Ohliger-Palm zeigen sich erfreut von der Resonanz und den regen Gesprächen, die sich daraus ergaben.
Team der Caritas-Suchthilfe um Fachdienstleiter Frank Ohliger-Palm (rechts), das am Info-Stand unterstützt wurde von Praktikantin Emelie Raab (Mitte)Diana Dahm, Caritas
Bei einem niederländischen Urlauberpaar habe die deutsche Gesetzgebung für Erstaunen gesorgt, berichtet Suchtberaterin Ursula Habel: "Die Eheleute zeigten sich fassungslos darüber, dass der Konsum von Bier und Wein hier ab 16 Jahren - und in Begleitung der Eltern sogar schon ab 14 Jahren - legal ist." Tatsächlich gilt nicht nur in den Niederlanden, sondern in den meisten europäischen Ländern längst die strikte Altersgrenze von 18 Jahren.
Zur Preisgestaltung wiederum vertritt Frank Ohliger-Palm eine Auffassung, die sich mit der Mehrheitsmeinung in der Befragung deckt: "Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle, wenn es darum geht, Alkohol als Genussmittel zu begreifen - und dementsprechend ‚mit Augenmaß‘ zu konsumieren", sagt der Diplom-Pädagoge.
"Die Abstimmung war zwar nicht repräsentativ", räumt Ohliger-Palm ein. "Dass es tatsächlich Handlungsbedarf gibt, ist aus unserer Perspektive aber durchaus belegbar", betont er. Dazu kann die Suchthilfe des Caritasverbandes Rhein-Hunsrück-Nahe e.V. auf aussagekräftige Zahlen zurückgreifen: Allein im Landkreis Bad Kreuznach suchen jährlich rund 650 Menschen - zumeist Betroffene, aber auch Angehörige - Rat und Hilfe bei der Caritas-Suchtberatung. Alkohol ist dabei mit Abstand das häufigste Thema.
Wie allgegenwärtig Alkohol und die daraus resultierenden Probleme sind, zeigte sich auch rund um den Info-Stand: Insbesondere Angehörige suchtkranker Menschen nutzten spontan die Gelegenheit zum Kontakt mit einer Beratungskraft.
Hier verweisen die Caritas-Kolleginnen und Kollegen gerne auf das Angebot von Einzel- oder Gruppengesprächen. Zusätzlich ist die Suchthilfe auf zwei digitalen Plattformen - "DigiSucht" und die "Online-Beratung" des Deutschen Caritasverbandes - erreichbar. Und übrigens können auch Jugendliche die Beratung in Anspruch nehmen.
Mehr Infos zu Suchthilfe und -Prävention und die Links zur digitalen Beratung gibt`s auf www.caritas-rhn.de/Sucht.